Schwerpunkte und Themen

Schwerpunkte und Themen

Je nach Kooperationsstelle variieren die inhaltlichen Schwerpunkte, historisch gewachsen, aber auch bedingt durch die Rahmenbedingungen und die eingebundenen Akteure vor Ort. Das Leistungsspektrum von Kooperationsstellen insgesamt lässt sich in vier Themenfeldern beschreiben:

Analysen und Gutachten

Kooperationsstellen beraten und unterstützen gewerkschaftliche und betriebliche Interessenvertretungen mit wissenschaftlichen Studien zund Gutachten. Das Spektrum reicht von kleinteiligen Recherchen, die Aufarbeitung von Daten und Fachten für Gutachten bis hin zu anwendungsnaher Forschung. Gemeinsam ist diesen Projekten, dass sie kooperativ angelegt sind, d.h. einen Diskurs zwischen Akteuren aus Wissenschaft und Arbeitswelt organisieren.

Dazu drei konkerte Beispiele:

Göttingen: Arbeitszeiten von Lehrerinnen und Lehrern in Niedersachsen

Im Auftrag der GEW Niedersachsen führte die Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften eine niedersachsenweite Arbeitszeitstudie an allen Schulformen durch. An ihr beteiligten sich an 255 Schulen 2.869 Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Arbeitszeiten ein Jahr lang minutengenau in einem speziell entwickelten Zeiterfassungstool für schulische Lehrtätigkeiten erfassten.

Im Ergebnis konnte die tatsächlich geleistete Arbeitszeit der Lehrkräfte schulformspezifisch erfasst, nach Tätigkeiten systematisiert und mit einer kalkulierte Erwartungsgröße abgeglichen werden. Es zeigte sich, dass sowohl Gymnasiallehrer*innen wie auch ihre Kolleg*innen an Gesamtschulen und Grundschulen deutlich über dem Soll arbeiten. Auffallend ist, dass Teilzeitlehrkräfte besonders viel unbezahlte Mehrarbeit leisten.

Oldenburg: Lohnniveau und Altersarmut in der DGB-Region Oldenburg/Ostfriesland

In Zusammenarbeit mit dem DGB untersuchte die Kooperationsstelle Hochschule/Gewerkschaften, ob und wie sich möglicherweise das Armutsrisiko in der DGB – Region Oldenburg/Ostfriesland vom allgemeinen Armutsrisiko in Deutschland insgesamt unterscheidet.

Auf Grundlage einer Auswertung amtlicher Statistiken über Rentenhöhe, Kaufkraft, Erwerbsbeteiligung, Ar-beitslosigkeit, atypische Beschäftigungsformen und Lohnniveau konnte gezeigt werden, dass die Region stärker von Altersarmut betroffen sein wird als andere Regionen. Der DGB fordert daher, in der Region be-sondere Konzepte zu entwickeln, um die Altersarmut effektiv und nicht nur kosmetisch zu verhindern.

Dortmund: Betriebliche Gruppengespräche als Form der Beteiligung

Zusammen mit dem Betriebsrat eines Lebensmittel produzierenden Betriebs untersuchte die Kooperati-onsstelle Wissenschaft – Arbeitswelt, ob und wie es möglich wäre, die von der Geschäftsleitung eingeführ-ten und von Vorgesetzten geleiteten Gruppengesprä-che der Beschäftigten zu einem Mittel der Beteiligung auszubauen.

Dazu wurden Interviews und Gruppendiskussionen mit Vorgesetzten und Beschäftigten geführt. Auf dieser Grundlage konnten die verschiedenen Aspekte der Gruppengespräche analysiert werden, um aufzuzei-gen, wo die „Stellschrauben“ sind, um etwas zu verän-dern. Das Gutachten wurde als eine Art Checkliste abgefasst, in der alle Punkte aufgelistet sind, an denen der Betriebsrat ansetzen kann, um Veränderungen herbeizuführen.

Arbeitsorientierte Forschung

Kooperationsstellen initiieren und organisieren arbeitsweltorientierte Forschungsprojekte. Sie legen Wert auf einen dialogisch-reflexiven Prozess, in dessen Verlauf Akteure aus Wissenschaft und Arbeitswelt gemeinsam daran arbeiten, handlungsrelevante und wissenschaftlich interessante Erkenntnisse zu erzielen. Beide Seiten lernen dabei voneinander, wissenschaftliches und praktisches Wissen fließen in den Prozess ein.

Dazu drei konkrete Beispiele:

Saarbrücken: Auswirkungen elektronischer Überwachung auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Zusammen mit dem Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie geht die Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt der Frage nach, wie sich Arbeit durch elektronisches Monitoring verändert. Die Möglichkeiten, genau zu überwachen, was eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer wann wo macht, sind markant gestiegen, denn jede Person hinterlässt permanent Datenspuren in der vernetzten Computerwelt.

Was das für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeutet, steht im Mittelpunkt dieses Projekts. Dazu werden drei Jahre lang mit unterschiedlichen Methoden Daten erhoben. Beispielsweise soll in einer Befragung herausgefunden werden, ob ein Zusammenhang besteht zwischen dem Überwacht-Werden und der Arbeitszufriedenheit. Die Ergebnisse werden nicht nur in Fachzeitschriften veröffentlicht, sondern auch mit den Projektpartnern aus der Praxis besprochen.

Berlin: Wandel der Arbeit in wissenschaftsunterstützenden Bereichen an Hochschulen

Im Auftrag der Hans Böckler-Stiftung hat sich die Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt der Technischen Universität mit der Arbeits- und Beschäftigungssituation in Sekretariaten, Bibliotheken, Laboren, Rechenzentren und Verwaltungseinheiten an Hochschulen befasst. Die Untersuchung nimmt damit eine Beschäftigtengruppe in den Blick, die bislang von Hochschulpolitik und Hochschulforschung weitgehend vernachlässigt wurde.

Auf einer breiten empirischen Basis werden nicht nur Befunde zur strukturellen Zusammensetzung der Gruppe der Beschäftigten in wissenschaftsunterstützenden Bereichen aufgearbeitet, es wird auch gefragt nach den Einstellungen dieser Beschäftigten zu ihrem Arbeitsplatz sowie nach der Bewertung ihrer beruflichen Situation. Zudem werden hochschulische Entwicklungsprozesse aus dem Blickwinkel des wissen-schaftsunterstützenden Personals neu beleuchtet und Veränderungen der Beschäftigungssituation im zeitlichen Verlauf nachgezeichnet.

Bremen: Baugewerbe – Strukturwandel, Arbeitsqualität und Zukunftsperspektiven

Das Institut Arbeit und Wirtschaft (IAW) erforscht die facettenreiche Baubranche für das Land Bremen. Dabei stehen Strukturen, Entwicklungstrends, zukünftige Herausforderungen sowie Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen im Zentrum.

Zunächst wird eine Branchenanalyse aufgrund statistischer Daten und einer eigenen qualitativen Studie erstellt. Zentrale Kenngrößen zeigen Struktur und Entwicklung der Branche. Die Arbeitnehmerkammer bietet die Möglichkeit, die Ergebnisse im Rahmen einer Veranstaltungsreihe „Strukturwandel in Bremen“ zur Diskussion zu stellen. Zweitens werden Kooperationsbeziehungen zwischen den einzelnen Betrieben und Gewerken analysiert und für die Branche zukünftig wichtige Herausforderungen (Fachkräftesicherung, Digitalisierung etc.) thematisiert. In einer weiteren Untersuchung geht es um die Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen der Arbeitnehmer*innen, wie sich diese in einzelnen Segmenten unterscheiden und welche Veränderungen zu beobachten sind.

Praxisorientiertes Studium/ Vorbereitung auf die Arbeitswelt

Kooperationsstellen informieren und beraten Studierende über Fragen aus Beruf und Arbeitswelt. So tragen sie dazu bei, die Hochschulen für Themen gewerkschaftlicher und betrieblicher Interessenvertretung zu erschließen. Zusammen mit örtlichen Gewerkschaften schaffen sie ein Umfeld, in dem Studierende Gewerkschaften direkt erfahren können, ihre Anliegen verstehen lernen und Anknüpfungspunkte finden, die eigenen Interessen zu artikulieren und sich gemeinsam zu organisieren.

Dazu drei konkrete Beispiele:

Bochum: Lernfabrik für Management und Organisation

In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Produktionssysteme bietet die Gemeinsame Arbeitsstelle Ruhr-Universität und IG Metall den Studierenden ein mehrstufiges Lehrkonzept zur Vermittlung diverser Methoden und Werkzeuge aus den Fachbereichen Change Management, Lean Management sowie Mitbestimmungsrecht.

Die Lernfabrik für Management und Organisation (LMO) ist das Abbild einer Produktionsumgebung mit einem realen Produkt. Die Teilnehmer*innen erwerben Kenntnisse sowohl über rechtliche Rahmenbedingungen als auch über praktische Handlungsfelder im Bereich der Erwerbsarbeit und der Arbeitsbeziehungen, welche sie zur aktiven Mitgestaltung ihrer Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen im späteren Berufsleben befähigen sollen.

Braunschweig: Seminar „Kompetent in die Arbeitswelt“

In Zusammenarbeit mit der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bietet die Kooperationsstelle Hochschulen – Gewerkschaften den Studierenden ein Seminar an mit dem Ziel, ihnen ein reflektiertes, adäquates und kompetentes Handeln in der Arbeitswelt zu ermöglichen.

Das Seminar führt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer theoretisch in viele Fragen der Mitbestimmung ein und vermittelt Kenntnisse, um betriebliche Abläufe besser verstehen und einordnen zu können. Im Austausch mit den relevanten Akteuren, Betriebs- bzw. Personalräten und Tarifvertragsparteien (Arbeitgeber-verbänden und Gewerkschaften) werden diese Kennt-nisse vertieft und auf die Praxis übertragen.

Leipzig: Beratung zum „Plan B“ – Berufliche Perspektiven nach Studienabbruch

Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung berät die Kooperationsstelle Wissenschaft – Arbeitswelt Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher, die sich für eine duale Ausbildung in der Region Leipzig interessieren. Das Projekt richtet sich zugleich an kleine und mittlere Unternehmen, die Studienabbrecher*innen als Auszubildende gewinnen wollen.

Ein Studium abzubrechen ist meist keine leichte Entscheidung. Nicht in jedem Fall ist bereits eine Alternative in Sicht, wie es weitergehen soll. Eine duale Be-rufsausbildung bietet die Chance, einen formalen Abschluss zu erwerben, der einen beruflichen Einstieg sowie gleichzeitig neue Weiterbildungs- und Karriereperspektiven ermöglicht. Die Kooperationsstelle unter-stützt interessierte Studierende bei der beruflichen Orientierung und die interessierten Betriebe bei der Ansprache von Studienabbrecher*innen.

Wissenstransfer

Kooperationsstellen sichten und vermitteln wissenschaftliche Erkenntnisse für die praktische Anwendung. Betriebsräte und Gewerkschafter*innen, die wissenschaftliche Expertise suchen, finden in der Kooperationsstelle ebenso eine Ansprechpartnerin wie Wissenschaftler*innen, die sich dafür interessieren, ihre Ergebnisse für die Praxis nutzbar zu machen. Gemeinsam werden wissenschaftliche Ergebnisse in praktische Handlungshilfen überführt.

Dazu drei konkrete Beispiele:

Hamburg: Internetportal Subsport

Gefördert aus Mitteln der EU stellt die Kooperationsstelle Hamburg im Internetportal SUBSPORT (SUBSti-tution Support PORTal – Der Weg zu sicheren Alterna-tiven) umfassende Informationen, Hilfsmittel und Fallstudien zur Substitution von gefährlichen Chemikalien in Produkten und Prozessen zur Verfügung (frei zugänglich in Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch).

Im Rahmen der nationalen und internationalen Gesetzgebung wird der Druck für die Unternehmen, Gefahrstoffe zu ersetzen, höher und die Identifikation und Beurteilung von Alternativen immer wichtiger. Das Internetportal www.subsport.eu mit seinem breiten und öffentlich zugänglichen Angebot bildet eine zentrale Informationsplattform zur Ersetzung gefährlicher durch ungefährliche Stoffe und knüpft zugleich leistungsfähige Netzwerke von engagierten Expert*innen und Interessenvertretungen.

Hannover: Netzwerk demografische Entwicklung und betriebliche Antworten

Gemeinsam mit der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung der Region Hannover, Arbeit und Leben Niedersachsen sowie dem DGB unterhält die Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften ein regionales Netzwerk aus Betrieben, Gewerkschaften, Wissenschaftler*innen und Bildungsinstitutionen.

Alternde Belegschaften, eine buntere Beschäftigtenstruktur und mögliche Engpässe bei der Rekrutierung beschreiben beispielhaft die Herausforderungen, vor dem Betriebe heute stehen, wenn sie Qualifizierungs-, Struktur- und Personalentscheidungen treffen. Oft ist dabei zu wenig bekannt über Lösungsmöglichkeiten, die anderswo schon gefunden wurden. Neben dem Austausch über konkrete betriebliche Handlungsmög-lichkeiten bietet das Netzwerk auch inhaltliche Vertiefungen zu Einzelaspekten rund um das Thema demografischer Wandel im Unternehmen.

Osnabrück: Tagung zum Rechtspopulis-mus in Europa

Die von der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften organisierte Tagung ging aus wissenschaftlicher Perspektive der Frage nach, was unter (Rechts-)Populismus verstanden werden kann. Nach einem Überblick über Formen und Ausprägungen des (Rechts-)Populismus‘ in Europa und damit verbundene Herausforderungen für Demokratie und Wohlfahrt wurden Ursachen für die Attraktivität solcher Haltun-gen analysiert, um abschließend einige Anforderungen für eine veränderte Politik zu diskutieren.

Insbesondere aus der Perspektive von Arbeitnehmer*innen wurden Ausmaß, mögliche Ursachen und Folgen des (Rechts-)Populismus‘ in den Mitgliedsstaaten Ungarn, Polen, Frankreich und Österreich analysiert, um gemeinsam mit der Wissenschaft nach möglichen Antworten auf diese, die europäische Integration gefährdende Entwicklung zu suchen.

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