1. Was sind Kooperationsstellen, was sind ihre Ziele, Aufgaben und Arbeitsmethoden?

In den vollständigen Bezeichnungen lassen sich die Aufgaben und Zielgruppen schon erahnen: "Kooperationsstelle Wissenschaft / Arbeitswelt", "Kooperationsstelle Hochschulen - Gewerkschaften", "Gemeinsame Arbeitsstelle Ruhr-Universität Bochum - Industriegewerkschaft Metall". Kooperationsstellen sind seit den siebziger Jahren Einrichtungen der Hochschulen, um Anlaufstellen und Ansprechpartner im universitären Raum für Gewerkschafter, Personal- und Betriebsräte sowie Beschäftigte zu schaffen. Gleichzeitig vermitteln diese Stellen für wissenschaftliche Hochschulangehörige und Studierende Kontakte, Personen und inhaltliche Fragestellungen in die gewerkschaftlichen und betrieblichen Bereiche. Die Kooperationseinrichtungen nehmen somit eine "Scharnier-" bzw. "Brückenfunktion" zwischen Wissenschaft und Gesellschaft wahr, sie vermitteln, moderieren und initiieren Fragestellungen und Themen zwischen den akademischen und "gewerkschaftlich - betrieblichen" sowie "- regionalen" Kulturen.

Sozial-innovative Anstöße zeichnen das vielfältige, weit gespannte Aufgabenfeld der Kooperationsarbeit aus:
  • Regionale wirtschaftliche und soziale Fragestellungen,
  • betriebliche Gestaltungskonzepte in organisatorischer und technischer Hinsicht,
  • Beratung beim betrieblichen Arbeitsschutz,
  • Hilfestellungen beim betrieblichen Umweltschutz, speziell Umweltmanagement,
  • Erörterung und Entwicklung regionaler Verkehrs-, Energie- und Wasserkonzepte,
  • Entwicklung von Qualifikations- und Weiterbildungsprogrammen,
  • Auswirkungen des zusammenwachsenden Europas,
  • nachhaltige Konsumstile und Produktionsentwürfe,
  • soziale Kompetenz fördernde Weiterbildung, Lehre, Organisationsberatung, Forschung und Publikationen (kurz: Wissenschaftsdienstleistungen) usw.
So mannigfaltig das Themenspektrum, so unterschiedlich auch die Arbeitsmethoden und Vorgehensweisen der Kooperationsstellen: Beratung und Gutachten, Workshops und Tagungen, Forschungs- und Umsetzungsprojekte, Publikationen und Internetportale, Seminare, Vorträge, Praktika, Arbeitskreise usw. Kooperationsstellen verstehen sich nicht als "Einbahnstraße" oder simple "Wissens-Transferstellen", die fertige wissenschaftliche Rezepte und Lösungen der "Praxis" zur Verfügung stellen, sondern als Begegnungs- und Arbeitsstellen wirklich gleichberechtigter Kooperanden zum gegenseitigen Nutzen beider. Neue Erkenntnisse und Handlungsstrategien, neue Aspekte und Gesichtspunkte sollen beide Seiten entdecken. Der Zugang zur betrieblichen und gesellschaftlichen Praxis soll wissenschaftliche Theorien und Methoden ebenso befruchten, wie umgekehrt gewerkschaftliches, betriebliches oder regionales Handeln durch wissenschaftliche Reflexionen, Erkenntnisse oder Vorgehensweisen differenzierter und erfolgreicher ausfällt.

2. Kooperationsverträge, Beiräte und Organisationsformen - in der Vielfalt liegt die Einheitlichkeit

Die Kooperationsstellen sind meistens organisatorisch und personell an den Hochschulen angesiedelt, wurden in der Regel aufgrund eines Kooperationsvertrages der Hochschule mit dem regional entsprechenden DGB Kreis- oder Landesbezirk gegründet - die Mehrzahl in den neunziger Jahren - und verfügen über "paritätisch" besetzte Beiräte, die die Arbeit der jeweiligen Kooperationsstellen beraten und begleiten.
Häufig gewährte die gewerkschaftliche Hans-Böckler-Stiftung (HBS) für die Anfangsjahre eine Anschubfinanzierung, später dann finanzielle Unterstützung - wie auch einzelne Gewerkschaften - bei der Durchführung konkreter Projekte, Tagungen und Veröffentlichungen. Meist neben einer gewissen Grundfinanzierung mit bescheidenem eigenen Haushalt durch die Hochschule bzw. das Bundesland ausgestattet, finanzieren viele Kooperationsstellen ihre Arbeit zusätzlich durch die Einwerbung von Drittmitteln. So unterschiedlich die jeweiligen historischen Entstehungsgeschichten der einzelnen Kooperationsstellen sind, so unterschiedlich sind ihre konkreten organisatorischen Formen, ihre Personalausstattungen, Finanzmittel und Arbeitsschwerpunkte. Unerklärlich erscheint nur das vollständige Fehlen von Kooperationsstellen in den südlichen Bundesländern.

3. Was ist die BAG?

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kooperationsstellen (BAG) verkörpert einen informellen Zusammenschluss aller ca. 20 momentan existierenden Kooperationsstellen in der Bundesrepublik Deutschland zum Zwecke des inhaltlichen, organisatorischen und politischen Austausches, der Zusammenarbeit und der Weiterentwicklung des Kooperationskonzeptes. Daher treffen sich alle Kooperationsstellen mindestens einmal im Jahr, um zusammen mit Vertretern der Hans-Böckler-Stiftung (HBS), des DGB Bundesvorstandes und der Einzelgewerkschaften die aktuellen Entwicklungen zu diskutieren und gemeinsame Vorhaben zu entwickeln. Mit der vorliegenden "Homepage BAG" möchten die Kooperationsstellen einen zentralen, virtuellen Anlaufpunkt schaffen, wo sich alle Interessierten schnell und aktuell informieren können. Mit der Einrichtung einer zentralen Datenbank für alle Veröffentlichungen der BAG und deren Installierung auf der hiesigen Homepage möchten die Kooperationseinrichtungen darüber hinaus ein konkretes Beispiel für den Nutzen, den Zweck und die Möglichkeiten der Kooperationsarbeit anbieten - für Rückmeldungen, Kritik und Anregungen sind wir dankbar.

4. Das Leitbild der BAG

Kooperation ist mehr als bloße Vermittlung. Kooperationsstellen erweitern und entwickeln Denkweisen und Handlungsspielräume in Wissenschaft und Arbeitswelt. Dazu gehören Gewerkschaft, Betrieb und Verwaltung, Hochschule und deren soziales und kulturelles Umfeld. Die Kooperationsstellen:
  • generieren Wissen,
  • fördern die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Arbeitswelt,
  • organisieren und moderieren den Wissens- und Erfahrungsaustausch,
  • fördern den Diskurs über verschiedene Denkansätze,
  • thematisieren neue Formen der Erwerbsarbeit und der Arbeitsorganisation.